Taheen schreibt

Februar 26, 2008

Aufstieg und Fall der Videospiele, Teil 1

Gespeichert unter: Gedanken, Taheen kotzt sich aus — taheen @ 12:12
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2002.

Im Nachhinein betrachtet, war das in etwa das Jahr, in dem man eigentlich hätte sagen sollen: Ok, das war’s. Der Spielemarkt hat seinen Peak erreicht – jetzt lassen wir’s gut sein. Keine neuen Spiele mehr.

Ganz recht – damit will ich sagen: “Man hätte aufhören sollen, als es am schönsten war“…

Genau wie der Musiker, der auf dem Gipfel seines Schaffens nur noch Lifekonzerte geben sollte, oder der Blockbuster, der nicht unnötig fortgesetzt werden sollte – zumindest nicht auf Teufel komm raus. Aber natürlich passiert das nicht. Der Künstler, der erkannt hat, das sich sein Name gut verkauft, wird wohl kaum auf den Reichtum pfeifen, und Filmproduzenten lassen sich ebenfalls nicht die Kohle durch die Lappen gehen. Es passiert, was jeder, der mit halbwegs offenen Augen durchs Leben geht, längst erkannt hat: Steigende Quantität bei sinkender Qualität.

Das passiert mit allen Märkten, deren Marktvolumen eine gewisse kritische Schwelle übersteigt: Es gibt immer mehr Konsumenten, mit immer geringerem Anspruch, also wird der Markt geflutet…obwohl, nein. „geflutetet“ ist falsch – ausgeschlachtet trifft es wohl eher. Tja, und leider Gottes wurde in den letzten Jahren halt erkannt was für ein gewaltiges Potential der Spielemarkt hat.

Nun mag manch einer denken: „Wieso leider? Immerhin stehen Spieleentwicklern jetzt Budgets zur Verfügung, von denen man vor 10 Jahren nichtmal zu träumen gewagt hätte.“

Stimmt, sage ich – nur: Steigt mit höherem Budget automatisch die Qualität eines Produkts? Ich glaube nein. Meiner Meinung nach fließt das Geld in den allermeisten Fällen überallhin, nur nicht direkt in die Qualität.

Wer mir Schwarzmalerei unterstellen möchte, kann das gerne tun – denn ich bin fest davon überzeugt, dass der Spielemarkt in seiner jetzigen Form den Bach heruntergehen wird, und der Verfall schon längst begonnen hat. Deshalb möchte ich im Folgenden einmal den „damaligen“ Spielemarkt mit dem heutigen vergleichen und die fatale Entwicklung des Ganzen aus meiner Sicht aufzeigen.

Zunächst aber kurz ein paar Infos über mich: Ich bin nicht in der Spieleindustrie tätig, habe kaum Insiderkenntnisse und bin auch sonst keine Koriphäe, was den Spielemarkt angeht. Ich bin lediglich ein passionierter Spieler aus den frühen Stunden (nicht den ersten – ab etwa 1989) und interessiere mich für Spieleentwicklung. Da ich vor einiger Zeit ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hatte ein Unternehmen in dem Bereich zu gründen, habe ich aus betriebswirtschaftlicher Sicht vielleicht ein wenig mehr Einblick in den Markt als der einfache Konsument – das ist aber kein Wissen, an das nicht jeder mit ein paar Dollars herankommen könnte. Sollte ich also irgendwelche Zahlen nennen, so sind die nicht aus den Fingern gezogen, sondern stammen aus einer Marktanalyse von PriceWaterhouseCoopers, die ich käuflich erworben habe.

Eingangs deklarierte ich das Jahr 2002 als das Peakjahr. Das hatte für mich einen ganz besonderen Grund: Im Jahr 2002 hatte ich mich für’s Erste vom Singleplayergeschehen verabschiedet und mich gut vier Jahre lang in Dark Age of Camelot ausgetobt. DAoC war nicht mein erstes MMO, aber definitiv das Erste, das ich wirklich intensiv gespielt hatte. So intensiv, dass ich während meiner gesamten DAoC Periode, keinerlei Offlinespiele gespielt hatte und Veröffentlichungen weitestgehend an mir vorüber gingen. Das letzte Spiel, das ich vor DAoC durchgespielt hatte, war No One Lifes Forever 2. Das war jetzt nicht unbedingt der Kracher des Jahrtausends, aber doch ein wirklich nettes Spiel, das sein Geld wert war. Davor war’s Morrowind – eines der besten Rollenspiele überhaupt, meiner Meinung nach. Halten wir fest: mein letzter Eindruck vom Pre-DAoC Spielemarkt war: „Ist sein Geld wert gewesen“.

Nachdem die Ära DAoC ein jähes Ende gefunden hatte, war ich erstmal damit beschäftigt nachzuholen, was ich während meiner Singleplayerabstinenz verpasst hatte: Knights of the Old Republic 1 und 2 und Bloodmoon, das zweite Morrowind Addon. Und das war’s eigentlich im Großen und Ganzen. Der ganze hoch angepriesene Rest…wie formuliere ich das am besten…“brachte es einfach nicht“.

Farcry beispielsweise. Grafisch zweifelsohne ein Hammer, aber spielerisch? Ich will jetzt nicht sagen, dass Farcry „schlecht“ war, aber es war ziemlich schnell schlichtweg langweilig. Dieses Schicksal teilen sich in meinen Augen so gut wie alle moderneren Shooter. Sie sind – Asche auf mein Haupt – stinklangweilig! Immer das Selbe. Sicher, hier darf man mal ein Fahrzeug fahren, und dort hat man mal irgendwelche Superkräfte, aber grundsätzlich wird etwas essenzielles vergessen. Etwas, das ein gutes Spiel ausmacht: Die Story, und noch viel wichtiger: deren packende Vermittlung. Und hier liegt der Hund nämlich begraben: Es scheint die Meinung vorzuherrschen, dass grafische Innovation das Maß aller Dinge ist. Aber mal ehrlich – ich schaue mir lieber eine gut gemachte Techdemo an, als ein langweiliges Spiel zu spielen – geschweige denn Geld dafür auszugeben. Dies fällt mir wie gesagt hauptsächlich bei Shootern auf. In den letzten Jahren waren F.E.A.R. und Half Life 2 die einzigen durchgängig gut gemachten Vertreter ihrer Gattung.

Geht man in der Zeit etwas weiter zurück häufen sich die Perlen  allerdings: Deus Ex, System Shock 1 und 2, Half Life, sind die, die mir gerade auf Anhieb einfallen. Wer erinnert sich nicht an J.C. Denton, Shodan oder Gordon Freeman? Diese Spiele haben Zeichen gesetzt und Charaktere geschaffen, an die man sich erinnert wie an Protagonisten eines guten Buches. Verdammt, ich kann mich sogar noch an Captain William J „B.J.“ Blazkowicz aus Wolfenstein 3D erinnern…wie heißen die heutigen Helden gleich nochmal? Hand auf’s Herz: mir fällt gerade keiner ein…

Verlässt man nun das Shootergenre, steigt die Zahl zeitloser Klassiker nochmal gewaltig an:

  • Crusader – No Remorse/No Regret
  • Might and Magic 3, 4, 5, 6
  • Wizardry 6, 7, 8
  • Morrowind
  • Oblivion (Ha! Da haben wir mal ein moderneres Spiel)
  • Final Fantasy VII (Unübertrefflich. Das beste Spiel aller Zeiten)
  • Final Fantasy X
  • Fallout 2
  • Max Payne 1, 2
  • Wing Commander 1, 2…mit gutem Willen noch Teil 3
  • UFO – Enemy Unknown und XCOM – Terror from the Deep
  • Command and Conquer 1
  • Terra Nova
  • Monkey Island
  • Space Quest
  • usw.

Ich meine, nicht jedes Spiel brauch eine derart fette Story wie sie Final Fantasy VII hat, aber ein paar markante Eckpunkte mehr würden dem Großteil der heutigen Spiele mehr als gut tun.

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